1920 
Die Geschichte der Siedlung beginnt in den 20er Jahren. Damals wurden kinderreichen Familien von Arbeitslosen auf dem "Behelfssiedlungsgelände Oberer Komarweg" Parzellen zur Bebauung zugewiesen. Der Jahrespachtzins betrug zu dieser Zeit 15,9 Reichsmarkt für eine ca. 530 m² große Parzelle. Die Auflagen in den Bauscheinen, die zu den Parzellen dazugehörten, waren gering. Es musste eine betonierte Sickergrube angelegt und das Dachwasser musste in Tonnen aufgefangen werden. Der Bau musste innerhalb eines Jahres begonnen werden, sonst verfiel das Baurecht. 

In dieser Zeit entstanden ca. sechzehn Häuser, vorwiegend im Weg V der Siedlung. Das Material zum Bau der Häuser entnahmen die Siedler zum überwiegenden Teil dem Abbruch des Ziegeleigebäudes, das sich im vorderen Bereich zwischen Weg T und Weg ST befand. Der Betrieb der Ziegelei war schon Anfang der Zwanziger Jahre eingestellt worden. 

Die Parzellen deren Nutzer nicht die einjährige Frist eingehalten hatten, wurden teilweise anderen Nutzern zugeschlagen, oder aber als Kleingärten genutzt. So kam es zu Nutzungseinheiten von ca. 400 m² bis zu 2500 m² Größe und zu einem Nebeneinander von Wohn- und Gartennutzung. Während des 2. Weltkrieges richteten sich viele ausgebombte Kleingärtner ihre Gartenlauben zum Wohnen her. Die Zahl der Häuser wie auch der Bewohner verdoppelte sich in dieser Zeit. 

1945 
Nach dem Krieg entstanden, aufgrund der herrschenden Wohnungsnot in der zerstörten Stadt, weitere Wohnhäuser mit Wissen und Duldung der Stadt Köln, sowie auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei Wohnbaracken für Flüchtlingsfamilien. In dieser Zeit erlebte die Siedlung Kalscheurer Weg ihre erste Blüte. Not und Armut ließen die Bewohner zusammenhalten, und Schwarzmarkt und Maggelei verhalfen den Bewohnern zu den Dingen, die zum Überleben notwendig waren. Kleintierhaltung sorgte für Fleisch auf dem Tisch. Schrott- und Lumpensammler, wie auch der Bauernhof Kaiser waren zu der Zeit die ersten Gewerbe in der Siedlung und brachten Geld in die Siedlung. Trotz der schlechten Zeiten wurde in der Siedlung in dieser Zeit viel gelacht und gesungen. In den fünfziger Jahren verlor die Siedlung, mit beginnendem "Wirtschaftswunder", an Attraktivität. Einige Siedler verließen das Gelände und zogen in "Anständige Wohnungen" des Sozialen Wohnungsbaus, andere verstarben und die Erben zogen nicht in die leerstehenden Häuser ein. 1954 erfolgte der Abbruch der Flüchtlingsbaracken und der letzten Ziegeleigebäude. 1958 weist die Stadt Köln das Gelände im Flächennutzungsplan als Grünfläche für die Erweiterung des Südfriedhofs aus, obwohl zu dieser Zeit ca. 500 Menschen die Siedlung bewohnen. 

1960 
1960 werden die Gärten nördlich der Kendenicherstrasse geräumt und mit fünfstöckigen Wohnbauten des sozialen Wohnungsbaus bebaut. In der Siedlung gehen Gerüchte um, nach denen als nächstes das Siedlungsgelände geräumt und bebaut würde. Einige Siedler verlassen ihre Häuser, obwohl sich das Gerücht nicht bewahrheitet. Die Stadt Köln nimmt mit der Deutschen Bundesbahn einen Grundstückstausch vor. Dadurch gelangt die Fläche der jetzigen Kleinsiedlung in das Eigentum der Bahn. Auf dem städtischen Geländeteil kündigte die Stadt Köln 1966 die Pachtverträge und ließ die Parzellen räumen. Als Begründung wurde die geplante Erweiterung des Südfriedhofs angegeben. Die Pächter erhielten eine geringe Entschädigung für ihre Häuser. Einzelne Pächter versuchten sich dagegen zu wehren, leider ohne Erfolg. 

1970 
In den siebziger Jahren wurden die Reihen der Siedler durch Studenten aus der alternativen Szene aufgefüllt. Vereinzelt übernahmen auch Studenten Parzellen, auf denen Sie zuerst zur Untermiete gewohnt hatten. Die Siedlung gewann auch durch die Entwicklung " hin zum Wohnen im Grünen" an Attraktivität, so daß freiwerdende Häuser sofort neue Interessenten fanden. Hartnäckig hielten sich, nach der Räumung der Häuser auf der städtischen Siedlungsfläche, innerhalb der Siedlung die Gerüchte, daß auch der Rest der Siedlung geräumt werden und damit der Erweiterung des Südfriedhofs weichen solle. Tatsächlich bestätigte die Flächennutzungsplanänderung von 1978 die Planung der Friedhofserweiterung auf Siedlungsgelände. Die Einsprüche der Bahn und der Siedler wurden nicht berücksichtigt. Unter dem Eindruck der aktuellen Gefährdung der Siedlung durch das Friedhofsvorhaben der Stadt Köln fanden sich 1978 120 Siedler und Freunde zur Gründung der Siedlergemeinschaft Kalscheurer Weg e. V. zusammen. Der Verein hat den Zweck den Bestand der Siedlung dauerhaft zu sichern und sich zunächst den Friedhoferweiterungsabsichten der Stadt Köln entgegenzustellen.

1980 
Trotz anfänglicher Skepsis, auch aus den eigenen Reihen, konnte die Siedlergemeinschaft durch intensiven und kreativen Widerstand erreichen, daß das Bestehen der Siedlung zumindest für die, die zu dem Zeitpunkt dort lebten, zugestanden wurde. Dies ist nicht zuletzt den guten Kontakten zur Lokalpresse und zum Fernsehsender WDR zu verdanken wie auch dem Engagement der lokalpolitischen Mandatsträger. Vorläufiger Schlusspunkt der Auseinandersetzungen war der Ratsbeschluß vom 30.06.1988 , der in großen Teilen dem Bürgerantrag zum Schutz der Siedlung der Siedlergemeinschaft vom 21.11.1986 folgt. Er hat vor allem "Bestandsschutz für die heute ansässigen Siedler und Kleingärtner, auch auf städtischen Grundstücken" zum Inhalt. 1989 erschien in der Janus Verlagsgesellschaft Köln das Buch Minnesota in Köln mit einem Text von Hans Conrad Zander und Fotos von Carl Brunn. Das Buch stellt den ungewöhnlichen Charakter der Siedlung innerhalb Kölns und Köln-Zollstocks heraus. 

So heißt es im Klappentext: "Zu Fuß den Kalscheurer Weg entlanggehend betrachte die Häuser genau. Es ist ‚sozialer Wohnungsbau', zuerst aus den fünfziger, dann aus den sechziger Jahren. Das ist die Architektur, die heute den Kölner Alltag prägt. Es ist ein Block langweiliger, niederdrückender als der andere. Jetzt noch ein Sozialbau aus den siebziger Jahren, ganz verpackt in Styropor und Plastik. Und dann stehst du davor. Minnesota!" Das Buch verdeutlicht die Originalität der Bauwerke und ihrer Bewohner und ist ein Zeugnis Kölscher Alltagskultur, gleichzeitig half das Buch als Zeitdokument, den Ratsbeschluß von 1988 zu beeinflussen. 

1990 
In den 90er Jahren verhandelte die Siedlergemeinschaft über den Verkauf des Siedlungsgeländes mit den wechselnd zuständigen Mitarbeitern und Institutionen bei der Deutschen Bahn. Dabei stellte sich heraus, daß ein eingetragener Verein nicht der Verhandlungspartner sein kann. Dadurch entwickelte sich die Idee der Genossenschaft.

Und die Geschichte unserer Siedlung geht weiter...